Anthropic hat sein Entwickler-Onboarding von zwei bis drei Wochen auf zwei bis drei Tage verkürzt, mit dem Tool aus diesem Tutorial (Angabe des Claude-Code-Erfinders Boris Cherny, Mai 2025). Claude Code ist Anthropics agentischer Kommandozeilen-Assistent für Software-Entwicklung: Der Agent liest ganze Codebasen, plant Änderungen, schreibt und editiert Dateien und führt Befehle selbstständig aus.
Dieses Tutorial destilliert die Kernpraktiken von Boris Cherny, Creator und Head of Claude Code bei Anthropic (Livestream vom 22. Mai 2025, im Umfeld von Anthropics Entwicklerkonferenz „Code with Claude“). Danach befragen Sie Ihre Codebase statt Kolleginnen und Kollegen, lassen Claude Code vor jeder Änderung planen und seine Arbeit anschließend selbst gegen Tests prüfen.
- Claude Code ist ein vollständig agentisches Coding-Tool, das in jedem Terminal, jeder IDE und über SSH oder tmux läuft, ganz ohne Workflow-Wechsel.
- Der wirkungsvollste Einstieg ist Codebase-Q&A statt sofortiger Code-Änderungen: erst Fragen stellen, dann editieren lassen.
- Eine kurze, gepflegte CLAUDE.md im Projekt-Root ist einer der stärksten Hebel für bessere Ergebnisse. Faustregel: unter 200 Zeilen bleiben.
- Claude Code vor dem Coden planen lassen (Plan Mode) und ihm ein Werkzeug zur Selbstkontrolle geben (Tests, Screenshots) verbessert Ergebnisse spürbar.
- Seit dem Talk hat sich technisch einiges verschoben, vom Installer bis zu den Keybindings: Der Abschnitt „Was sich seit Chernys Talk (Mai 2025) geändert hat“ fasst die wichtigsten Updates zusammen.
Was ist Claude Code, und warum ein Terminal-Agent?
Claude Code unterscheidet sich von klassischen Code-Vervollständigungs-Werkzeugen durch seinen Anspruch: Es ist nicht darauf ausgelegt, einzelne Zeilen vorzuschlagen, sondern darauf, ganze Features zu bauen, Funktionen und Dateien vollständig zu schreiben und Bugs eigenständig zu beheben.
Dafür kombiniert der Agent einen bewusst schlanken Satz an Werkzeugen: Dateien lesen und bearbeiten, Bash-Befehle ausführen, im Code suchen. Diese Werkzeuge verkettet Claude Code selbstständig zu Arbeitsabläufen, ohne dass jeder einzelne Schritt vorgegeben werden muss.
Ein zentrales Designprinzip ist, dass sich Claude Code in bestehende Workflows einfügt, statt sie zu ersetzen. Der Agent läuft in jedem Terminal ohne Konfigurationsaufwand: lokal, über Remote-SSH oder in einer tmux-Session, einem Terminal-Multiplexer, der mehrere Sitzungen parallel offenhält. Das gilt unabhängig davon, ob im Team VS Code, JetBrains-IDEs, Xcode oder Vim zum Einsatz kommt.
Das Terminal ist dabei nicht mehr die einzige offizielle Oberfläche. Stand Juli 2026 läuft Claude Code zusätzlich auf vier weiteren Oberflächen, in allen bleibt der Kern derselbe agentische Coding-Assistent:
- VS-Code-Erweiterung
- JetBrains-Plugin
- Eigenständige Desktop-App
- Browser unter claude.ai/code
Dieses Tutorial zeigt durchgängig den Terminal-Weg: Die Befehle und Konzepte sind in den IDE-Integrationen identisch, da dieselbe Engine hinter allen Oberflächen läuft.
Ungefähr 80 Prozent der technischen Mitarbeitenden bei Anthropic nutzen Claude Code jeden Tag.
Boris Cherny, Anthropic, Mai 2025 (interne Angabe, keine unabhängige Erhebung)
Das erklärt, warum Claude Code so kompromisslos auf den Alltag von Entwicklerinnen und Entwicklern zugeschnitten ist: Es ist selbst das meistgenutzte interne Werkzeug seines eigenen Herstellers.
In 10 Minuten startklar: die Ersteinrichtung
Die Ersteinrichtung von Claude Code dauert wenige Minuten und entscheidet darüber, ob das Tool ständig nachfragt oder unauffällig im Hintergrund mitläuft. Die folgenden Schritte richten Installation, Terminal, Design und Berechtigungen ein und binden optional GitHub an.
# Empfohlen (Standard seit 2026): nativer Installer, kein Node.js nötig
curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash
# Alternativ über den Paketmanager
brew install --cask claude-code # macOS
winget install Anthropic.ClaudeCode # Windows
# npm bleibt als Option verfügbar (Node.js 22 oder neuer erforderlich)
Claude Code in 10 Minuten startklar machen
-
Installieren
Ohne eigene Präferenz: nativer Installer, wie im Codeblock oben gezeigt. Alternativen (brew, winget, npm) stehen ebenfalls dort.
-
/terminal-setup ausführen
Der Befehl schreibt Shift+Enter und weitere Tastenkombinationen in die Konfiguration des Terminals, damit Zeilenumbrüche ohne Backslash funktionieren. Nötig ist das nur für VS Code, Cursor, Devin Desktop, Alacritty und Zed. Viele andere Terminals unterstützen Shift+Enter bereits ohne Setup.
-
/theme wählen
Legt Hell- oder Dunkel-Modus fest. Für Farbfehlsichtigkeit stehen eigene Presets bereit (dark-daltonized, light-daltonized), dazu eine Variante, die automatisch dem Betriebssystem-Theme folgt.
-
Berechtigungen einrichten
Über /permissions legen Sie fest, welche Werkzeuge ohne Rückfrage laufen dürfen. Tragen Sie wiederkehrende Freigaben dauerhaft in die permissions.allow-Liste der settings.json ein, statt sie jedes Mal einzeln zu bestätigen.
-
Optional: GitHub-Anbindung
/install-github-app installiert die Claude-GitHub-App interaktiv. Danach genügt eine @claude-Erwähnung in einem Issue oder Pull Request, damit Claude Code den Code analysiert, Bugs behebt oder eine Umsetzung vorschlägt.
-
Diktieren statt tippen (macOS)
Aktivieren Sie unter Systemeinstellungen, Bedienungshilfen, Diktat die Sprache-zu-Text-Funktion. Zwei Tastendrücke auf die Diktat-Taste genügen, und der Prompt wird gesprochen statt getippt. Bei längeren, detaillierten Anweisungen ist das spürbar schneller als Tippen.
Der beste Einstieg: Fragen statt Code
Am wirksamsten starten Sie mit Claude Code nicht, indem Sie Code schreiben, sondern indem Sie Ihre eigene Codebase befragen. Bevor Sie etwas editieren lassen, fragen Sie Claude Code einfach: Wie wird eine bestimmte Klasse instanziiert? Warum hat eine Funktion fünfzehn Parameter? Was hat sich in dieser Woche im Repository verändert?
Diese Fragen kosten nichts, bergen kein Risiko und zeigen sehr schnell, wozu der Agent in einer konkreten Codebase fähig ist.
Wie wird die Klasse PaymentProcessor instanziiert, und wo wird sie überall verwendet?
Warum hat diese Funktion 15 Parameter? Schau in die Git-History, wer sie eingeführt hat und warum.
Was habe ich diese Woche geshippt? Schau in den Git-Log unter meinem Username.
Claude Code beantwortet solche Fragen nicht per einfacher Volltextsuche. Bei einer Frage wie „Wie wird diese Klasse verwendet?“ sucht der Agent typischerweise nach echten Instanziierungs-Beispielen im Code und liefert eine Antwort, wie man sie sonst aus einer gepflegten Wiki-Seite erwarten würde, nicht aus einem einzelnen Suchtreffer.
Bei Git-History-Fragen wie „Warum heißt dieser Parameter so ungewöhnlich?“ durchsucht Claude Code den Commit-Verlauf, um herauszufinden, wann und von wem eine Änderung eingeführt wurde und welchem Ticket oder Issue sie zuzuordnen war.
Es steht nichts im System-Prompt darüber, in der Git-History nachzuschauen. Das Modell weiß es, weil es einfach gut ist. Wenn man ihm sagt, Git zu benutzen, weiß es, wie das geht.
Boris Cherny, Anthropic, Mai 2025
Die eingangs erwähnte Verkürzung der Einarbeitung bei Anthropic geht genau auf diesen Effekt zurück: Neue Kolleginnen und Kollegen befragen die Codebase direkt, statt bei jeder Unklarheit ein Teammitglied zu unterbrechen.
Solange Claude Code lokal im Terminal läuft, arbeitet der Agent direkt auf Ihrem Rechner: Es gibt keine separate Suchdatenbank, in die Ihr Code hochgeladen wird, und deshalb auch keine Wartezeit für ein Indexing.
Sie installieren Claude Code und stellen sofort Ihre erste Frage. Was das für Training und Datenschutz konkret bedeutet, unterscheidet sich je nach Konto-Typ. Das ordnet der Abschnitt „Was passiert mit Ihrem Code?“ weiter unten differenziert ein.
Erst planen, dann coden
Übergeben Sie Claude Code eine große Aufgabe in einem Rutsch, etwa „baue dieses 30.000-Zeilen-Feature“, bekommen Sie manchmal auf Anhieb das gewünschte Ergebnis. Häufiger passiert aber etwas anderes: Das Ergebnis ist technisch funktionsfähig, trifft aber nicht das, was Sie eigentlich meinten. Der zuverlässigere Weg: Lassen Sie Claude Code zuerst denken, bevor der erste Code entsteht.
Konkret heißt das: erst ein wenig explorieren und brainstormen lassen, dann einen Plan vorschlagen lassen, diesen Plan freigeben, und erst danach coden lassen. Im Mai 2025 genügte dafür eine einfache Bitte in natürlicher Sprache: „Mach vor dem Coden erst einen Plan.“
Heute steht dafür zusätzlich ein eigener, offizieller Plan Mode zur Verfügung: ein Berechtigungsmodus, der ausschließlich recherchiert und Änderungen vorschlägt, ohne sie auszuführen. Drei Wege führen hinein:
- Shift+Tab drücken, um in den Plan Mode zu schalten.
- Einen einzelnen Prompt mit /plan voranstellen.
- Die Session direkt mit claude --permission-mode plan starten.
Die freie Formulierung funktioniert nach wie vor. Der native Plan Mode macht den Ablauf aber verbindlicher und leichter wiederholbar.
Der Verstärker-Trick: Claude die eigene Arbeit prüfen lassen
Der wirkungsvollste einzelne Hebel für bessere Ergebnisse ist, Claude Code ein Werkzeug zur Selbstkontrolle zu geben. Ohne Feedback-Schleife liefert der Agent bei einer UI-Aufgabe wie „baue diese Oberfläche nach diesem Mock“ häufig ein brauchbares, aber nicht perfektes Ergebnis.
Bekommt er dagegen die Möglichkeit, sein eigenes Ergebnis zu prüfen, etwa über Unit-Tests, Screenshots per Puppeteer oder Aufnahmen aus dem iOS-Simulator, iteriert er eigenständig weiter. Nach zwei bis drei Durchläufen trifft er das Ergebnis fast exakt.
Geben Sie dem Modell irgendein Werkzeug, mit dem es sein eigenes Ergebnis prüfen kann. Dann iteriert es von selbst weiter, und Sie bekommen ein deutlich besseres Ergebnis.
Boris Cherny, Anthropic, Mai 2025
CLAUDE.md: das Gedächtnis des Projekts
Je mehr Kontext Claude Code über ein Projekt hat, desto treffsicherer werden seine Entscheidungen. Eine kurze, gepflegte CLAUDE.md-Datei im Projekt-Root ist dafür der größte Hebel: eine reine Textdatei, die Claude Code automatisch zu Beginn jeder Session einliest, noch vor Ihrem ersten Prompt. Was hineingehört und wie Sie sie kurz halten, zeigt der folgende Ablauf.
Eine CLAUDE.md fürs Projekt aufsetzen
-
Mit /init starten
Der Befehl /init lässt Claude Code die Codebase analysieren und einen ersten CLAUDE.md-Entwurf erzeugen. Das ist deutlich schneller, als die Datei von Grund auf selbst zu schreiben.
-
Bash-Befehle eintragen
Tragen Sie die Befehle ein, die im Projekt-Alltag wirklich gebraucht werden: Build, Test, Lint, lokaler Dev-Server. Das erspart Claude Code, diese Befehle jedes Mal neu zu erraten.
-
Code-Style und Architektur ergänzen
Halten Sie zentrale Architektur-Entscheidungen und Style-Konventionen fest, die nicht aus dem Code selbst offensichtlich hervorgehen, etwa warum ein bestimmtes Pattern verwendet wird oder welche Ordner klar getrennt bleiben sollen.
-
Kürzen statt auflisten
Streichen Sie alles, was einer Datei-für-Datei-Beschreibung ähnelt, das kostet nur Kontext-Fenster ohne echten Nutzen. Faustregel: unter 200 Zeilen bleiben und bei jeder Zeile prüfen, ob ihr Fehlen tatsächlich zu einem Fehler führen würde.
-
Nested CLAUDE.md für Teilprojekte
Bei sehr unterschiedlichen Teilbereichen eines Repositories lohnt sich eine eigene CLAUDE.md je Unterordner. Sie wird nur geladen, wenn Claude Code tatsächlich dort arbeitet.
-
CLAUDE.local.md für persönliche Präferenzen
Für alles, was nur für Sie persönlich gilt und nicht ins Team-Repository gehört, legen Sie eine CLAUDE.local.md an und tragen sie in die .gitignore ein.
Memory-Shortcuts und Keybindings
Claude Code ist bewusst minimalistisch gehalten, was im Terminal auch bedeutet, dass sich nützliche Tastenkombinationen nicht von selbst erschließen. Die folgende Übersicht zeigt die heute gültigen Shortcuts für den interaktiven Modus.
| Tastenkombination | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| Shift+Tab | Wechselt zwischen den Permission-Modes: Default, Accept Edits, Plan Mode (und je nach Konfiguration weitere Modi) | Im Accept-Edits-Modus werden Datei-Änderungen automatisch übernommen, Bash-Befehle weiterhin bestätigt |
| ! am Zeilenanfang | Aktiviert den Shell-Modus: Der Befehl läuft lokal, seine Ausgabe landet zusätzlich im Kontext | Seit Version 2.1.186 reagiert Claude automatisch auf die Ausgabe |
| @ | Zieht eine Datei oder einen Ordner in den Kontext | Bei Dateien der volle Inhalt, bei Ordnern nur das Listing, inklusive aller CLAUDE.md-Dateien auf dem Pfad |
| Esc | Unterbricht Claude Code sicher, bereits erledigte Arbeit bleibt erhalten | Funktioniert in jeder Situation, ohne die Session zu beschädigen |
| Esc Esc (doppelt) | Bei leerem Prompt: öffnet das Rewind-Menü zum Zurücksetzen von Code und Unterhaltung | Bei vorhandenem Text im Prompt löscht die Kombination stattdessen den Entwurf |
| Ctrl+O | Öffnet und schließt den Transcript-Viewer | Zeigt den vollständigen Verlauf der aktuellen Session |
| Ctrl+B | Verschiebt einen laufenden Bash-Befehl in den Hintergrund | Praktisch für lang laufende Befehle, während die Session nutzbar bleibt |
Session fortsetzen:
- claude --resume / -r: setzt eine bestimmte, per ID oder Name ausgewählte Session fort. Praktisch, um gezielt zu einer früheren Unterhaltung zurückzukehren.
- claude --continue / -c: lädt die zuletzt geführte Unterhaltung im aktuellen Verzeichnis. Praktisch für den schnellen Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung.
Um Claude Code dauerhaft etwas beizubringen, etwa dass ein bestimmtes Tool anders bedient werden soll, genügt heute eine natürlichsprachliche Bitte wie „Merke dir, dass wir hier pnpm statt npm verwenden“: Claude Code legt das über Auto Memory eigenständig in die passende Memory-Datei ab.
Team-Setup: einmal konfigurieren, alle profitieren
Sobald mehrere Personen im selben Repository mit Claude Code arbeiten, lohnt sich Konfiguration, die einmal geschrieben und danach vom gesamten Team genutzt wird. Eine Person investiert die Einrichtungszeit, alle profitieren.
Wiederkehrende Abläufe können Sie als eigene Befehle definieren. Technisch funktionieren benutzerdefinierte Slash-Commands in Dateien unter .claude/commands/ weiterhin, sind aber in Skills aufgegangen: strukturierte Ordner mit eigenen Metadaten. Eine Datei unter .claude/commands/deploy.md und ein Skill unter .claude/skills/deploy/SKILL.md erzeugen beide denselben Befehl /deploy und funktionieren identisch. Für neue Team-Befehle ist die Skill-Struktur heute der empfohlene Weg.
MCP-Server checken Sie über eine .mcp.json-Datei im Projekt-Root ein. Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, um externe Werkzeuge und Datenquellen anzubinden.
Jedes Teammitglied, das Claude Code in diesem Repository startet, bekommt automatisch dieselben MCP-Werkzeuge angeboten: etwa einen gemeinsam genutzten Puppeteer-Server. Damit können Sie End-to-End-Tests fahren und Oberflächen automatisiert screenshotten, ohne dass jede Person den Server einzeln installieren muss.
Berechtigungen selbst folgen einer klaren Rangfolge, von unternehmensweit bis persönlich:
- Managed Settings (managed-settings.json): unternehmensweit, von niemandem überschreibbar.
- CLI-Argumente beim Start von claude.
- Lokale Projekt-Einstellungen (.claude/settings.local.json).
- Geteilte Projekt-Einstellungen (.claude/settings.json).
- Persönliche Einstellungen (~/.claude/settings.json).
{
"permissions": {
"allow": ["Bash", "Edit", "Read"],
"ask": ["WebFetch"],
"deny": []
}
}
Headless: Claude Code als Unix-Utility
Mit dem Flag claude -p (oder --print) führen Sie jeden claude-Befehl nicht-interaktiv (headless) aus: Ein Prompt geht rein, eine Antwort kommt raus, ganz ohne interaktive Session. Zusammen mit --output-format text, json oder stream-json verwandelt sich Claude Code in ein waschechtes Unix-Werkzeug, das Sie in Pipelines, Skripte und Automatisierung einbauen können.
# Claude Code als Unix-Utility: Prompt rein, Antwort raus
claude -p "Fasse die auffälligsten Änderungen zusammen" --output-format json
# Piping: Git-Status direkt analysieren lassen
git status | claude -p "Was fällt dir an diesem Stand auf?" --output-format stream-json
# Mit eingeschränkter Tool-Auswahl für CI oder Incident-Response
claude -p "Prüfe die letzten Fehlermeldungen im Log" --allowedTools Bash
Bei Anthropic kommt genau dieses Muster in CI-Pipelines und in der Incident-Response zum Einsatz. Sie pipen Logs, Fehlermeldungen oder den Output von git status direkt in Claude Code und bitten es, das Auffällige zu benennen.
Über --allowedTools schränken Sie zusätzlich ein, welche Werkzeuge in einem solchen automatisierten Lauf ohne Rückfrage verwendet werden dürfen.
Was im Mai 2025 noch unter dem Namen „Claude Code SDK“ lief, heißt seit dem 29. September 2025 offiziell Claude Agent SDK. Die Funktionsweise, dieselbe Engine, die auch Claude Code selbst antreibt, ist davon unberührt geblieben.
Parallel arbeiten wie die Power-User
Ein einzelner Claude-Code-Lauf pro Terminal-Tab reicht für viele Aufgaben aus. Wer mehrere Vorhaben gleichzeitig vorantreiben will, ohne dass sich parallele Änderungen im selben Arbeitsverzeichnis in die Quere kommen, braucht Isolation. Sonst überschreiben zwei gleichzeitig laufende Sessions am Ende dieselben Dateien.
Claude Code bietet dafür heute mehrere native Wege, dazu den klassischen Ansatz über mehrere Checkouts:
- claude --worktree <name> (oder -w): legt automatisch ein isoliertes Git-Worktree an, ein zusätzliches, paralleles Arbeitsverzeichnis desselben Repositories auf einem eigenen Branch, und startet direkt darin.
- Subagents: eigene, in sich geschlossene Claude-Code-Instanzen für Teilaufgaben innerhalb einer Session.
- Ctrl+B: Bash-Befehle in den Hintergrund verschieben (siehe Tastenkombinationen oben).
- Klassisch: mehrere manuelle Checkouts desselben Repositories plus eigene tmux- oder SSH-Sessions, worauf frühere Power-User bei Anthropic vor allem angewiesen waren. Funktioniert weiterhin, ist aber der ursprüngliche, unbequemere Weg.
Was passiert mit Ihrem Code? Datenschutz heute
Ob Anthropic mit Ihrem Code trainiert, hängt vom Konto-Typ ab. Zum Zeitpunkt des Talks war das noch einheitlicher geregelt als heute:
| Konto-Typ | Training auf Ihrem Code | Aufbewahrung |
|---|---|---|
| Commercial (Team, Enterprise, API) | Kein Training ohne explizites Opt-in | Gemäß Vertrag |
| Free/Pro/Max, Einstellung AN | Ja, Training | 5 Jahre |
| Free/Pro/Max, Einstellung AUS | Nein | 30 Tage |
Unabhängig vom Training bleibt eine zweite Unterscheidung wichtig: Läuft Claude Code lokal im eigenen Terminal, arbeitet der Agent auf dem eigenen Rechner, ohne separaten Suchindex oder dauerhafte externe Kopie des Repositories. Bei Cloud-Sessions, einer separaten Betriebsart, klont Claude Code das Repository dagegen in eine von Anthropic verwaltete virtuelle Maschine. Wer sensible Codebases ausschließlich lokal bearbeiten möchte, sollte diese Unterscheidung kennen, bevor eine Cloud-Session gestartet wird.
Was sich seit Chernys Talk (Mai 2025) geändert hat
- Installation: Der native curl-Installer ist heute Standard, npm nur noch Option. Details oben im Kapitel „In 10 Minuten startklar: die Ersteinrichtung“.
- SDK-Umbenennung: Aus der Claude Code SDK wurde die Claude Agent SDK. Details oben im Kapitel „Headless: Claude Code als Unix-Utility“.
- Memory-Shortcut: Der frühere #-Shortcut ist durch Auto Memory ersetzt worden. Details oben im Kapitel „Memory-Shortcuts und Keybindings“.
- Team-Befehle: Slash-Commands sind in Skills aufgegangen. Details oben im Kapitel „Team-Setup: einmal konfigurieren, alle profitieren“.
- Transcript-Viewer: Der Shortcut dafür ist von Ctrl+R auf Ctrl+O gewandert; Ctrl+R ist heute die Rückwärtssuche in der Befehlshistorie.
- Parallelarbeit: Worktrees, Subagents und Background-Tasks laufen heute nativ statt improvisiert. Details oben im Kapitel „Parallel arbeiten wie die Power-User“.
In 25 Minuten von der Installation zur ersten Antwort
Wer die Kernpraktiken aus diesem Tutorial ausprobieren will, kommt in rund 25 Minuten vom leeren Terminal zur ersten brauchbaren Antwort. Die beiden Anleitungen oben decken die Schritte eins und zwei im Detail ab:
- Installieren: den nativen Installer per curl-Skript ausführen (oder brew, winget, npm), wie im Kapitel zur Ersteinrichtung gezeigt.
- CLAUDE.md anlegen: mit /init einen ersten Entwurf erzeugen und auf das Wesentliche kürzen.
- Erste Frage stellen: Claude Code nach der eigenen Codebase fragen, etwa nach einer bestimmten Klasse oder der Git-History, statt gleich Code ändern zu lassen.
Häufig gestellte Fragen
Wo genau legt claude --worktree die isolierte Kopie des Repositories an?
Standardmäßig unter .claude/worktrees/<name>/, benannt nach dem beim Start übergebenen Namen. Claude Code legt dafür automatisch einen eigenen Branch namens worktree-<name> an und startet direkt in diesem neuen Arbeitsverzeichnis, sodass die Session parallel zum Hauptverzeichnis läuft, ohne dort etwas zu verändern.
Wie sehe ich, welchen Kontext Claude Code in einer Session tatsächlich geladen hat?
Der Befehl /memory listet alle gefundenen CLAUDE.md- und CLAUDE.local.md-Dateien über User- und Projekt-Ebenen auf und lässt sich zum Bearbeiten öffnen. Was davon tatsächlich in der laufenden Session als Kontext geladen wurde, zeigt separat der Befehl /context, praktisch etwa um eine erwartete nested CLAUDE.md zu prüfen.
Muss ich eine per .mcp.json geteilte MCP-Verbindung manuell freigeben?
Ja. Die Server-Liste übernimmt jede Person automatisch aus der .mcp.json, nutzbar ist ein Server aber erst nach Bestätigung: Beim ersten Start erscheint pro Server ein Approval-Prompt, den jede Person einzeln freigeben muss. Zusätzlich können Sie MCP-Server auf drei Ebenen konfigurieren: local (nur dieses Projekt, persönlich), project (.mcp.json, geteilt) und user (projektübergreifend).
Kann Claude Code Bilder und Screenshots verarbeiten?
Ja, Claude Code ist von Anfang an vollständig multimodal, auch wenn sich das im reinen Terminal nicht sofort erschließt. Bilder lassen sich per Drag-and-drop einfügen, per Dateipfad referenzieren oder direkt mit Ctrl+V einsetzen. Unter macOS funktioniert das Übernehmen aus der Zwischenablage allerdings nur in iTerm2, praktisch etwa für UI-Mockups, die Claude Code danach umsetzen soll.